Das KuBi:Land-Team mit dem Verein „FörderInnen freier Kunstkultur und Musikpädagogik e.V.“ hatte in Kooperation mit der Grundschule Mosaik in Borod im Rahmen des LEADER-Programmes „Demokratie“ zu einem Abend „Sprechen und Zuhören“ mit der Dozentin Isabel Turba zum Thema: „Smartphon, KI und Soziale Medien in der Familie -Wie geht es Dir damit?“ mit Bürger:innen, Eltern und Lehrkräften am 14.04. in Borod eingeladen. Die lokale LEADER Raiffeisen Aktionsgruppe hatte das Projekt für das Vorhaben „Demokratiestärkung/Zusammenhalt durch Partizipation“ ausgesucht und in seine Förderung einbezogen.
Die Idee (nach einem Konzept des Vereins „Mehr Demokratie“ e.V.): Nach einer Einführung im großen Kreis bilden sich kleine Gesprächsgruppen, in denen für einen festgelegten Zeitpunkt von je 4 Minuten (bei Kindern 1 Minute) wechselweise eine Gesprächsteilnehmerin oder ein Teilnehmer spricht, während die anderen zuhören. Der jeweilige Wechsel wird mit einem akustischen Signal angezeigt. Dabei gilt: „Ich erzähle von mir und wie es mir damit geht“ und „Keine Bewertungen des anderen während und nach dem Statement eines der Teilnehmenden; keine Kommentare und Mimik während des Beitrags des anderen“.
Manchen der Erwachsenen fiel es sehr schwer, sich in der Mimik zurückzuhalten, einige waren der Ansicht, dass zu viel Einverständnis in den Positionen in der Kleingruppe vorlag und die Reibefläche daher etwas zu gering war. Andere betonten aber auch, dass die Übung, zuzuhören und nicht gleich dem anderen ins Wort zu fallen, einen hohen Erfahrungswert darstellt und dass es in jedem Fall spannend war, den unterschiedlichen Ausführungen und Erfahrungen zu folgen. 9 von 11 Personen sprachen sich für ein Verbot der Nutzung von Sozialen Medien für Kinder bis 16 Jahren aus.
Am folgenden Tag, 15.04., war die Dozentin Isabel Turba zum gleichen Thema „Smartphon und Soziale Medien“ mit Kindern der vierten Klasse und ihrer Klassenlehrerin in der Turnhalle in Borod wieder zu Gast.
Zu den beiden Fragen „Was findest Du gut und was findest Du schlecht daran, wenn „social media“ für Kinder bis 16 Jahren verboten wird?“ hatten die 9–11-jährigen Kinder sehr viele reflektierte, sehr differenzierte, teils selbstkritische Statements beizutragen. Die Schülerinnen und Schüler, von denen in der Vorabfrage 22 von 26 Kindern angaben, über ein eigenes Smartphon zu verfügen, zeigten sich extrem engagiert und mitten im Thema. Spätestens im Nachgespräch in der großen Runde zeigte sich gleichzeitig, dass sich hier auf emphatische Weise Meinungsbildung miteinander vollzog, bei der die eine oder der andere Schüler(in) seine, ihre Position änderte. Stark beeindruckt zeigten sich Lehrerinnen, Projektleitung und die das Projekt begleitende Schulsozialarbeiterin.
Die Dozentin hatte sich im Vorhinein in zwei Vorgesprächen mit Projektleitung und Klassenlehrerin intensiv auf die spezielle Situation vorbereitet und mit kompetenten Fragen in Einführung und Nachgespräch die Kinder feinfühlig abgeholt. Mit dem Gesprächsformat kamen die 26 Kinder, die in 8 Kreisen je zu dritt und an zwei Stellen plus jeweils einer Lehrkraft verteilt saßen, ausgesprochen gut zurecht.
Zu einem Nachgespräch im Klassenkontext samt einem Vortrag über demokratische Werte, Strukturen und das Grundgesetz war am Mittwoch, 22.04. auch die 2. Beigeordnete der VG Hachenburg, Frau Natalie Brenner, morgens in der Schule zu Gast. Sie verfolgte interessiert die Ausführungen des Projektleiters Daniel Diestelkamp sowie den Austausch und die Erläuterungen der Kinder und ihrer Klassenleiterin Ineke Stenz über die in der Schule und in der Klasse alltäglich praktizierten demokratischen Formate und Arbeitsweisen. Im zweiten Teil stellte sie sich den Fragen der Kinder und erläutere ihrerseits die Strukturen der VG, ihrer Arbeit und der Herausforderungen im VG-Rat, auch in Hinsicht auf die Kommunikationsstruktur. Auch konnte sie noch auf die Mitbestimmungsmöglichkeiten für Jugendliche in der VG ab 12 Jahren hinweisen.
Eine Zusammenführung von Eltern, Erwachsenen und Kinder im ähnlichen Gesprächsmodus „Sprechen und Zuhören“ im Rahmen von Share&Care“ wird derzeit im Projektteam diskutiert und ist für einen späteren Zeitpunkt angedacht.
Text: Daniel Diestelkamp
Fotos: Lea Hartnack